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Adéliepinguine sind die am südlichsten brütende Pinguinart und eine Ikone der Antarktis. Zahlreiche Kolonien liegen an der antarktischen Küste und auf den vorgelagerten Inseln. Bisher ging man davon aus, dass die Vögel nur während des Sommers zu den Brutplätzen kommen. Jetzt haben automatische Kameras an verschiedenen Orten Aufnahmen von zurückkommenden Pinguinen während des Winters gemacht. Ein Vergleich zwischen West- und Ostantarktis zeigt aber, dass die westlichen Adélies zu den Winterrückkehrern gehören und die östlichen lieber bis im Frühjahr warten.

Adéliepinguine brüten entlang der antarktischen Küste ab dem Frühjahr. Ihre Kolonien umfassen bis zu hunderttausend Brutpaare und sind die grössten Vogelaggregationen auf dem antarktischen Kontinent. Bild: Michael Wenger
Adéliepinguine brüten entlang der antarktischen Küste ab dem Frühjahr. Ihre Kolonien umfassen bis zu hunderttausend Brutpaare und sind die grössten Vogelaggregationen auf dem antarktischen Kontinent. Bild: Michael Wenger

Zum ersten Mal wurden Adéliepinguine der westlichen antarktischen Halbinsel dabei gefilmt, wie sie im Winter zu ihren Brutplätzen, die sie im Sommer belegen, zurückkehren. In der Ostantarktis aber haben die Kameras, dass die Brutplätze nahe der australischen Stationen Mawson und Casey im Winter leer bleiben, da die Sommerbewohner, die Pinguine, auf Nahrungssuche im Meer bleiben. Die Studie, unter der Leitung von Dr. Caitlin Black und Professor Tom Hart von der Universität Oxford und der Mitarbeit der Ökologen Dr. Louise Emmerson und Dr. Colin Southwell von der Australian Antarctic Division, zeigt den Wert von sogenannten Time-Lapse-Kameras für die Erforschung von Tieren das ganze Jahr über, besonders in Gebieten, die im Winter nicht zugänglich sind. Dr. Southwell erklärt, dass die Kameras neue Erkenntnisse für die Pinguinökologie und –verhalten liefern und den Einfluss von lokalen Umweltbedingungen auf dieselben aufzeigen. „Diese Studie hat klar gezeigt, dass Kameras, die Kolonien und das naheliegende Küsteneis aufnehmen, uns helfen, das Eis und seinen Einfluss auf die Adéliepräsenz oder –absenz im Winter zu studieren“, meint er.

Ferngesteuerte und unabhängig operierende Kameras, wie diese auf Shirley Island, nahe der Station Casey, wurden benutzt, um die Zahl der Adéliepinguine in den Kolonien und das nahe Küsteneis zu beobachten. Kameras waren sowohl im Westen wie auch im Osten der Antarktis stationiert worden. Bild: Colin Southwell
Ferngesteuerte und unabhängig operierende Kameras, wie diese auf Shirley Island, nahe der Station Casey, wurden benutzt, um die Zahl der Adéliepinguine in den Kolonien und das nahe Küsteneis zu beobachten. Kameras waren sowohl im Westen wie auch im Osten der Antarktis stationiert worden. Bild: Colin Southwell

Das Forschungsteam installierte eine Kamera auf Yalour Island an der Westseite der antarktischen Halbinsel und weitere sieben Kameras in den Regionen von Mawson und Casey Station in der Ostantarktis. Jede Kamera nahm um 12 Uhr mittags pro Woche im Verlauf von drei Wintern ein Bild auf. Die Kameras erfassten dabei Pinguine, die während des gesamten Winters zur Brutstelle auf Yalour Island zurückkamen, die grösste Zahl mitten im tiefsten Winter, als das Tageslicht am kürzesten war. Die Zahl an Pinguine war auch höher, wenn das Eis an der Küste extrem viel oder sehr wenig war. „Die Anwesenheit der Vögel auf Yalour Island an den kürzesten Tagen des Winters könnte mit eingeschränkter Sicht zur Navigation auf See, mit Nahrungsverfügbarkeit an der Küste oder mit dem Vermeiden von Räubern bei schlechten Lichtbedingungen zu tun haben“, erklärt Dr. Black. Als Gegensatz dazu wurden in der Ostantarktis keine Vögel, die zu ihren Sommerbrutplätzen zurückkehren, beobachtet. Das bedeutet, dass das dichte und breite Packeis, welches bis zu 1‘000 Kilometer breit sein kann, die Adéliepinguine von einer Rückkehr an ihre Brutplätze abhält. Doch weitere Studien sind notwendig, um das Verhältnis zwischen Meereisausdehnung und der Rückkehr von Pinguinen an Land im Winter zu untersuchen. An der Westküste sollten weitere Studien das Alter der Rückkehr und ihren möglichen Ursprung von anderen Kolonien untersuchen.

Die grösste Adéliepinguinkolonie in der Ostantarktis ist diejenige bei Kap Adare, wo 1899 Carsten Borchgrevink das erste permanente Gebäude in der Antarktis erstellt hatte. Die Kolonie besteht aus rund einer halben Million Pinguinen jeden Sommer. Doch im Winter ist der Ort ruhig und verlassen, nicht wie im Westen. Bild: Michael Wenger
Die grösste Adéliepinguinkolonie in der Ostantarktis ist diejenige bei Kap Adare, wo 1899 Carsten Borchgrevink das erste permanente Gebäude in der Antarktis erstellt hatte. Die Kolonie besteht aus rund einer halben Million Pinguinen jeden Sommer. Doch im Winter ist der Ort ruhig und verlassen, nicht wie im Westen. Bild: Michael Wenger

Quelle: Australian Antarctic Division