Buckelwale sind bekannt dafür, lange Wanderungen zu unternehmen, vor allem die Populationen im Süden. Von den warmen Meeren um Südamerika oder Australien herum ziehen die Tiere jedes Jahr in die antarktischen Gewässer, um sich dort mit Krill und Fischen eine dicke Speckschicht anzufressen. Bisher dachte man, dass die Buckelwale während dieser Wanderungen fasten und vom Speck des vorangegangenen Jahres leben. Doch die Wale haben wohl ihre eigenen Rastplätze, wie eine neue Studie aus Australien zeigt.

Buckelwale sind mittlerweile wieder ein häufiger Anblick in den Gewässern rund um Antarktika. Nach dem Walfangstopp haben die Tiere sich schneller erholt als die meisten anderen Walarten. Ein Grund dafür mögen die Rastplätze entlang ihrer Wanderrouten sein. Bild: Michael Wenger
Buckelwale sind mittlerweile wieder ein häufiger Anblick in den Gewässern rund um Antarktika. Nach dem Walfangstopp haben die Tiere sich schneller erholt als die meisten anderen Walarten. Ein Grund dafür mögen die Rastplätze entlang ihrer Wanderrouten sein. Bild: Michael Wenger

Satelliten-gestützte Wanderdaten von Buckelwalen haben neue Nahrungsgebiete in warmen Küstengebieten Australiens und Neuseelands gezeigt. Die Tiere machen dort auf ihrem Weg in die Krill-reichen Gebiete der Antarktis Halt, um sich zu stärken. Die Studie, die Mitte August in den Scientific Reports veröffentlicht worden war, untersuchte die Wanderbewegungen von 30 markierten Buckelwalen während drei Jahren Die Hauptautorin der Arbeit, Dr. Virginia Andrews-Goff von der Australian Antarctic Division, erklärt, dass die Studie als erste die Nahrungssuchstrategie und die Wanderrouten von Buckelwalen aus Ostaustralien untersucht hatte. „Zum ersten Mal haben wir die verschiedenen Wege aufgezeigt, die ostaustralische Buckelwale einschlagen auf ihrer Wanderung in die Antarktis. Einige dieser Routen waren bisher unbekannt“, sagt Dr. Andrews-Goff weiter. „Die Satellitendaten zeigen uns, dass die Tiere entweder nach Osten via Neuseeland ziehen, oder nach Süden via Tasmanien, oder nach Westen via Pazifik.“

Die Karte zeigt die Routen, die von den markierten Buckelwalen eingeschlagen worden waren. Blau sind die Wanderungen, rot die Orte, an denen die Tiere gefressen hatten. Alle Buckelwale starteten ihre Wanderungen an der Küste von Queensland. Bild: Australian Antarctic Division
Die Karte zeigt die Routen, die von den markierten Buckelwalen eingeschlagen worden waren. Blau sind die Wanderungen, rot die Orte, an denen die Tiere gefressen hatten. Alle Buckelwale starteten ihre Wanderungen an der Küste von Queensland. Bild: Australian Antarctic Division

Die Forscher entdeckten nicht nur neue Wege, sondern auch, dass die Tiere während der Wanderungen mehr frassen, als bisher angenommen. Sie verbringen gemäss der Resultate einige Zeit in temperaten Gewässern bevor sie endgültige nach Antarktika aufbrechen. „Wenn sie wandern, stoppen die Wale bis zu 35 Tage zur Nahrungssuche entweder vor Neuseeland, in der Bassstrasse oder östlich von Tasmanien“, erklärt Dr. Andrews-Goff weiter. „Bisher nahm man an, dass die Buckelwale sich eher an eine „Fressen, dann Fasten“-Strategie halten. Dabei fressen sich die Buckelwale in der Antarktis satt und fasten dann auf ihren Wanderungen nach Norden zur Fortpflanzung und nach Süden zurück in die Antarktis.“ Auch die Charakteristika der antarktischen Nahrungsgebiete wurden untersucht. Denn diese sind, gemäss der Autoren wahrscheinlich mitverantwortlich für den rasanten Anstieg der Populationen. Die Tiere waren nämlich aufgrund des extensiven Walfangs in den 1950er und 1960er Jahren beinahe ausgerottet worden. „Die Wale steuern ihre Ankunft so, dass das Eis sich bereits schnell zurückzieht, wenn sie kommen. Die Daten zeigen ausserdem, dass sich die Tiere dort sammeln, wo zwei Monate vorher noch Eis gewesen war. Wir sehen also, dass die Tiere mit dem Eis wandern. Das macht Sinn, denn die Eisschmelze setzt die Prozesse in Gang, an deren Ende die Ansammlung von Krill steht. Und das ist die Nahrungsquelle Nummer 1 der Wale“, meint Dr. Andrews-Goff zum Schluss. Die Daten werden helfen, Schutzmassnahmen in der Zukunft noch zu verbessern.

Buckelwale sind eine der wenigen Walarten, die ein grosses Verhaltensspektrum zeigen. Das markante Springen der gewaltigen Tiere ist bisher nur theoretisch erklärt worden, Beweise fehlen. Bild: Michael Wenger
Buckelwale sind eine der wenigen Walarten, die ein grosses Verhaltensspektrum zeigen. Das markante Springen der gewaltigen Tiere ist bisher nur theoretisch erklärt worden, Beweise fehlen. Bild: Michael Wenger

Quelle: Australian Antarctic Division