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Was sich wie ein Aprilscherz anhört, ist eine Tatsache: Russland plant eine Forschungsstation am Nordpol, ähnlich wie die feste Amundsen-Scott-Plattform am südlichen Ende der Welt. Die neue Station wird wahrscheinlich die russischen Driftstationen ersetzen, die seit den 1930er immer wieder aufgebaut werden.

Der geographische Nordpol hat viele Expeditionen in das wilde und eisige Reich der Arktis gelockt. Doch heutzutage wird die Eisdecke jedes Jahr dünner, was zu vielen Problemen für Foscher und Expeditionen führt. Bild: Michael Wenger
Der geographische Nordpol hat viele Expeditionen in das wilde und eisige Reich der Arktis gelockt. Doch heutzutage wird die Eisdecke jedes Jahr dünner, was zu vielen Problemen für Foscher und Expeditionen führt. Bild: Michael Wenger

Weil das immer weniger werdende Eis Schwierigkeiten für die Forschungsaktivitäten in der Hocharktis bedeutet, geht Russland einen Schritt weiter mit seinem Plan einer Forschungsplattform in der Region. Die geplante, selbstantreibende Plattform wird die höchstmögliche Eisklasse aufweisen und in der Lage sein, sich selbstständig in den arktischen Gewässern für bis zu drei Jahre lang zu bewegen, erklärte Sergey Donskoy, Minister für Natürliche Ressourcen gegenüber der Agentur RIA Novosti. Die aktive Entwicklungsphase soll noch vor Juni in diesem Jahr starten und der Baubeginn ist für das Jahr 2019 vorgesehen, bestätigte der Minister weiter. Die Plattform ist ein gemeinsames Projekt mit der russischen meteorologischen Behörde Roshydromet und wurde im Rahmen des neuen und von Putin abgesegneten Sozial- und Wirtschaftsprogrammes für die Arktis als ein Projekt der höchsten Prioritätsstufe klassifiziert. Der Name der neuen Station soll „Nordpol“ lauten und durch Roshydromet betrieben werden. Die voraussichtlichen Investitionskosten wurden mit €98 Millionen veranschlagt. Dabei soll die neue Plattform die Stationen, die auf dem Packeis jedes Jahr neu aufgebaut werden, ersetzen. Diese Drifteisstationen, die zuerst von der Sowjetunion, danach von Russland initiiert worden sind, wurden seit 1937 jährlich (mit einem Unterbruch zwischen 1991 – 2003) betrieben.

Die geplante Plattform wird das Aussehen eines Eisbrechers haben und wird sich selbst durch das Eis bewegen können. Sie soll bis zu drei Jahre autark sein gemäss den Plänen der Entwickler. Bild: Roshydromet
Die geplante Plattform wird das Aussehen eines Eisbrechers haben und wird sich selbst durch das Eis bewegen können. Sie soll bis zu drei Jahre autark sein gemäss den Plänen der Entwickler. Bild: Roshydromet

Normalerweise wurden Forschungsstationen auf einer Eisscholle zwischen September und Oktober erstellt und bis zu zwei Dutzend Wissenschaftler würden dann den Winter über dort bleiben und Wetter- und Klimadaten aufnehmen. Doch in den letzten Jahren wurde es zunehmend schwieriger, geeignete Eisschollen zu finden, die eine ganze Station tragen konnte. Die letzte „echte“ Station „Nordpol-40“, wurde im Oktober 2012 errichtet und musste im Mai 2013 evakuiert werden, da die Eisscholle, auf der sie stand, auseinanderbrach. Die 16 Wissenschaftler, die den ganzen Winter auf dem Eis verbracht hatten, mussten von einem Atomeisbrecher aus Murmansk gerettet werden. Danach wurden weder in der Saison 2013-14 noch 2014-15 Stationen errichtet. Im April 2015 baute man zwar eine Station „Nordpol 2015“, die aber nur gerade 4 Monate stand.

Das privat finanzierte und betriebene Camp Barneowird jedes Jahr rund 100 km vom Nordpol entfernt aufgebaut. Von diesem Camp aus starten Touristen und auch Wissenschaftler zu Expeditionen in Richtung Pol. Bild: Heiner Kubny
Das privat finanzierte und betriebene Camp Barneowird jedes Jahr rund 100 km vom Nordpol entfernt aufgebaut. Von diesem Camp aus starten Touristen und auch Wissenschaftler zu Expeditionen in Richtung Pol. Bild: Heiner Kubny

Das schwindende Meereis bildet auch Probleme für das privat finanzierte russische Camp Barneo. Das zeitlich begrenzte Camp wird seit 2002 jedes Jahr etwa um diese Zeit aufgebaut. Das Lager wird von der russischen geografischen Gesellschaft finanziert und bleibt einen Monat lang bestehen. Es dient als Ausgangsort für Wissenschaftler und Touristen für ihre Expeditionen zum Nordpol.

Quelle: Atle Staalesen / The Independent Barents Observer